Honda Black Widow
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Ich bin kein "Knieschleifer" mehr. Die Zeiten sind definitiv vorbei. Deshalb habe ich mich 2009 nach einem Fahrzeug umgesehen, welches mehr das gemütliche Gleiten denn das rasante Rasen unterstützt. Das erste (funktionierende) Motorrad nach 30 Jahren wurde ein Chopper.
Eine Honda VT 750 DC Black Widow - Erstzulassung Dezember 2000.
Fahrn fahrn fahrn ...
Was die Fahreigenschaften angeht, übertreiben die einschlägigen Testberichte wirklich nicht mit ihrem Lob. Wenn man die hinteren Stoßdämpfer auf "weich" stellt, kommt man sogar recht unbeschadet auch über unebene Straßen vorwärts. Logisch, dass man trotzdem vorsichtig fahren muss. Ist ja keine Enduro.
Man darf dabei natürlich auch nicht außer Acht lassen, dass der lange Radstand das enge Kurvenfahren nicht so besonders gern mag. Man muss das lange Viech durchaus ein wenig überreden, runter zu kommen und auch unten zu bleiben. Aber welcher Chopper mag schon Kurven? Die sanften sind mit der Widow kein Problem. Da gleitet man mit angenehmem Schwung so durch. Wer aber den 45-Grad-Winkel, Serpentinen und abgeschliffene Schräglagenbegrenzer mag, wird allerdings nicht auf seine Kosten kommen. Chopper sagen: "Da ist geradeaus, da fahr ich jetzt hin." Aber das mit ordentlich Wumm von unten raus.
Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit mit 150 km/h angegeben ist, sind Autobahnen mit dem Teil nicht wirklich angenehm. Keine Scheibe, sag ich nur. Ab 100 macht man den Klammergriff und die Armmuskulatur wird gut trainiert. Deshalb ist das Revier meiner Kleinen die Landstraße mit sanften Kehren, gelegentlichen Traktoren, die überholt werden müssen und Dörfern, die man mit untertourigem Bollern aus ihrem Dornröschenschlaf aufschrecken kann. 80 ist die optimale Geschwindigkeit. Für so einen alten Sack wie mich sowieso. Man kommt noch einigermaßen zügig vorwärts, hat aber neben der Aufmerksamkeit für die Straße immer noch genug Gelegenheit auch mal links und rechts die Gegend zu genießen.
Zu wenig PS? Nö. 45 Gäule reichen voll und ganz für die 237 Kilo. Die Widow holt ihre Kraft sowieso mehr aus dem Hubraum. Ich habe bis jetzt jedenfalls noch nichts vermisst. Und für gelegentliche Sprints ist sie sich auch nicht zu schade. Na gut - ein sportlicher Fahrer ist auf diesem Teil sicher mit dem Hintern am falschen Blech. Zum gemütlichen Gleiten im heimatlichen Großraum ist die Maschine allerdings - für mich - genau richtig.

Honda VT 750 DC Black Widow - Erstzulassung Dezember 2000.
Optik ist das halbe Leben
Chrom ist schön. Chrom ist Mist.
Stimmt beides. Wie so viele andere Chopper-Freaks habe ich mich durch den Chromhaufen beim Kauf überzeugen lassen. Wenn das Zeug geputzt ist und in der Sonne blinkt und glitzert, dann geht dem Chopperfahrer das Herz auf.
"Das ist meine!" sagt er dann stolz.
Vor der stolz geschwellten Brust steht aber auch der Putzaufwand. Chrom und Speichen und schwarzglänzender Lack sind optisch das absolute Nonplusultra für ein Moped. Da stehe ich zu. (Manchmal darf es auch rot sein.)
Der Glitzerkram macht nen schlanken Fuß, will aber auch seeehr aufwändig gepflegt sein. Wieviele Stunden habe ich schon vor meiner Garage gesessen, den kalten Hopfenblütentee aufgehebelt, den iPod im Ohr, die Tube Polierpaste in der Linken, den weichen Lappen in der Rechten - und putz, putz? Ich weiß nicht mehr.
Aber es erfüllt einen auch mit einer gewissen Zufriedenheit, wenn die Nachbarskinder vorbeikommen und einem mit großen Augen beim Motorradputzen zusehen. Dann glänzen die Augen der Kleinen fast so wie der frisch geputzte Chromhaufen.
Komfort
Als ich mich das erste Mal auf die Maschine gesetzt habe, dachte ich, der japanische Designerkollege hätte an mir Maß genommen. Der Sitz passte mir. Er läuft nach vorn hin ein wenig zu, so dass da nichts drückt und klemmt. Die Polsterung ist für einen Chopper schon ganz komfortabel, wenn auch nicht gleich ein Sofa.
Der Lenker befindet sich genau in Reichweite meiner Arme, so dass ich ermüdungsfrei auch mal längere Strecken fahren kann. Die schmale, flache Dragbar sorgt außerdem dafür, dass ich mich auch in engen Kurven nicht recken muss.
Die Fußrasten sitzen für einen 176 cm kleinen Bäuchling genau an der richtigen Stelle. Nicht zu weit vorn, nicht zu weit hinten. So kann ich bequem gleiten.
Der Tank ist - auch wenn ein Testbericht was anders sagt - hinten nicht zu breit. Da drückt gar nichts. Das ist schließlich ein Chopper und man sitzt meistens entspannt und mit nach Außen fallenden Knien auf der Maschine. Da kann gar nichts drücken. Wenn man aber die Beine unbedingt zwischen Auspuffrohr und Motorblock quetschen möchte, ist der Tank natürlich im Weg. Da hat beim Testen wohl ein Knieschleifer draufgesessen.
Die Federung ist choppertypisch irgendwas zwischen Hart und Weich. Zum Glück kann man die hintere nach eigenem Geschmack einstellen. Man sitzt aber auch ziemlich aufrecht auf dem Steiß. Bodenwellen werden gern mit den Bandscheiben registriert. Meine Konsequenz: häufige Pausen auf längeren Touren, die aber bisher nicht so häufig waren. Ich bin ja eher der Heimathirsch.
Customizing
Manchmal springt einen der Bastel-Wastl an und man möchte für sein Bike die eine oder andere "Verbesserung". Natürlich fängt sowas immer beim Sound an. Mein letzter Versuch, eine Custom-Auspuffanlage zu bekommen, war von der Erkenntnis gekrönt, dass leider inzwischen alle Zubehör-Hersteller die Anlagen für dieses Modell aus dem Programm genommen haben.
Zwar wären irgendwelche Show-Anlagen aus den USA importierbar gewesen, aber die hätte ich hier im Straßenverkehr nicht benutzen dürfen, weil sie definitiv zu laut sind. Und die nette Praxis, die zwar vom TÜV mit zugedrückten Augen geduldeten originalen, aber ebenfalls in der EU nicht zugelassenen, weil sonoreren Anlagen der US-Version für billig Geld abzugreifen, haben die Amis inzwischen auch durchschaut und verlangen horrende Preise dafür.
Ansonsten gibt es genug Zubehör für das blecherne Spinnentier. Ich habe mir zwar etwas zum Schrauben gekauft, aber leider lässt meine Zeit es nicht zu, das Zeug anzubauen. So habe ich also erstmal meine Vorstellungen für das Moped mit Photoshop realisiert.
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Allgemeines zur Honda VT 750 DC Black Widow
Ganze drei Jahre lang wurde die Black Widow in Deutschland verkauft. Dementsprechend selten sieht man sie auf unseren Straßen. Ich hatte immer schon einen Draht zu Außergewöhnlichem.
Glücklicherweise ist der Motor mit geringen Modifikationen auch in anderen Shadow-Modellen verbaut worden (VT 750 C etc.), so dass es hier nicht ganz so schwierig ist, an Ersatzteile zu kommen - falls man wirklich mal welche brauchen sollte. Ich jedenfalls habe nie Ersatzteile gebraucht. Angeblich ist der Motor, solange man nicht daran herumexperimentiert, für mindestens 100.000 Kilometer gut. Da meiner auch mit rund 30.000 immer noch sauber läuft, denke ich, dass da was dran ist.
Die Community (im Internet) ist auch hilfsbereit und bietet mit einem freundschaftlichen Forum und gelegentlichen Zusammenkünften die Möglichkeit, sich qualifiziert auszutauschen. Da diese Maschinen nicht all zu häufig produziert und verkauft wurden, ist auch die Gemeinschaft der Widow-Fahrer überschaubar. Das macht den Kontakt einfach und recht familiär.
Olaf Manke - Bücher, Motorrad, Kunst und mehr
